Was bedeutet Lesbarkeit im Web und wie hilft sie Content zu verbessern?

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By Siteimprove
Okt 06 2016 — Barrierefreiheit, Lesbarkeit, Content-Management

Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung der Kunden- und User-Journeys auf Websites gehen immer mehr private und öffentliche Unternehmen dazu über, kostenreduzierende Maßnahmen zu implementieren, um persönliche Termine und Telefonsupport zu verringern. Die beiden traditionellen Wege des Kundensupports und –kontaktes sind kostenintensiv im Vergleich zu dem Ansatz, Informationen und Prozesse vermehrt online verfügbar zu machen.

In der Praxis bedeutet dies für einige öffentliche Einrichtungen, wie z.B. für das

Government Großbritanniens, dass die Kosten für einen digitalen Vorgang fast 20-mal geringer sind als für einen vergleichbaren Telefonservice, ca. 30-mal geringer als ein Service via Post und etwa halb so teuer wie eine persönliche Dienstleistung.

Grundsätzlich vertrauen Organisationen und Unternehmen immer mehr auf ihre Website, um sich selbst zu bewerben, ihre Produkte an den Mann zu bringen, oder Informationen zu verbreiten. Aber was ist, wenn Informationen wie online Produkt- oder Prozessbeschreibungen zu komplex sind? In diesem Fall würde das Unternehmen das Verständnis der User für den kommunizierten Inhalt reduzieren, ihn verwirren und ihn schlussendlich dazu bringen, vom Onlineservice Abstand zu nehmen.

Genau hier kommt Readability (digitale Lesbarkeit) ins Spiel. Diese hilft, Texte einfach und klar verständlich zu machen. Im Zusammenhang mit einer Website und mit Online-Content im Allgemeinen heißt das: Mit einer aktiven Umsetzung von Readability-Ansätzen erhöht sich die Chance, dass die Zielgruppen eines Unternehmens die bereitgestellten Inhalte auch nutzen können und werden. Aus diesem Grund sollten Strategien zur digitalen Lesbarkeit ein natürlicher Teil von Content-Management-Lösungen sein.

Bei Siteimprove haben wir eine jahrelange Erfahrung damit, öffentliche Einrichtungen und privatwirtschaftliche Unternehmen zu beraten, um die Online-Auftritte zu verbessern. Dies beinhaltet auch, die Qualität des jeweiligen Web-Contents (und hier ist Readability ein wichtiger Bestandteil) zu sichern und zu optimieren.

Ein städtischer Kunde, mit dem wir zusammenarbeiten, beschreibt seine Herausforderungen für die tägliche Texterstellung wie folgt:

„Unser täglicher Kampf ist es, in einfach verständlichen Worten all unsere Prozesse, Strategien und Serviceleistungen zu beschreiben. Aus diesem Grund ist eine Auswertung der Lesbarkeit unserer Inhalte (Readability-Score) ein wertvoller Indikator, um genau dies zu erreichen.“Gehen wir nun davon aus, dass man eine klare Kommunikationsstrategie entwickelt hat, ein Contentplan ausgearbeitet und aufgestellt ist und ebenso strategische Website-Ziele ausgemacht wurden. In diesem Fall würde das Vorkommen einer schwierigen Lesbarkeit der Seiten große Teile dieser Vorarbeiten zunichte machen.

Am Ende kann man sagen, dass es drei Hauptgründe gibt, warum Lesbarkeit der Website mehr im Fokus von Online-Redakteuren und Marketern stehen sollte.

1) Das Alter der Leser von Websiteinhalten ist geringer, als man denkt

Ganz gleich, wer die ursprünglich demografische oder öffentlich definierte Zielgruppe ist, sind finale Lesergruppen oftmals jünger als angenommen. Die US-amerikanische Literacy Project Foundation hat hierzu einige interessante Daten herausgegeben.

In den USA geht man davon aus, dass der durchschnittliche Websitebesucher eine Lesekompetenz hat, die in etwa einem definierten „Lesbarkeitsgrad” von 7 oder 8 entspricht. Dies entspricht etwa dem Alter eines 12-14-jährigen Jugendlichen und wird mittlerweile als

Benchmark für Content-Guidelines in der Pharmazie- und Medizinbranche genutzt.In Großbritannien empfiehlt die Regierung ein Lesbarkeits-Level von 9 Jahren für ihre Websites, um die Informationen einer möglichst breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Der Grund hierfür ist die Erkenntnis, dass Kinder bis zu dieser Altersstufe sehr schnell lernen, gebräuchliche Worte zu lesen. Ab diesem Zeitpunkt etwa reicht ein Blick auf die Wortform aus, um es zu erkennen und das Lesetempo somit zu erhöhen. Die Reduzierung von langen Schachtelsätzen und Wörtern trägt ebenso dazu bei, die Lesbarkeit und damit das Verständnis zu erhöhen.

Und in Deutschland? In seinem Gutachten

„E-Government in Deutschland”: Vom Abstieg zum Aufstieg” vor dem Bundestagsausschuss Digitale Agenda stellte Johannes Ludewig, Vorsitzender des Nationalen Normenkontrollrats die These auf: „E-Government in Deutschland gibt es de facto nicht!” Gut, dies ist bewusst provokant und übertrieben. Dennoch hinkt Deutschland im Hinblick auf Digitalisierung und Lesbarkeit im Allgemeinen hinterher.

Richtig ist, dass junge Erwachsene und Jugendliche Websites von Behörden und Bürgerämtern besuchen, da sie hier ein ähnliches Digitalisierungslevel erwarten, wie in ihrer sonstigen Lebenswirklichkeit. Tägliche Kommunikation, Reservierungen und Buchungen finden in der Generation der digitalen Natives überwiegend online und mobile statt. Ähnliche Services erwarten sie entsprechend auch bei der Beantragung des Personalausweises und/oder Reisepasses, werden jedoch häufig enttäuscht:

Digitale Ämter sind noch Zukunftsmusik! Ältere Mitmenschen besuchen die digitalen Portale der Städte und Gemeinden schon gar nicht, sondern machen Termine telefonisch oder persönlich aus. In diesem Zusammenhang steckt auch die Einsicht, Inhalte lesbarer zu machen, noch in den Kinderschuhen.

2) Lesbarkeit ist wichtig für die Barrierefreiheit im Web

Wer die Lesbarkeit seines digitalen Contents nicht verbessert, könnte sehr schnell gegen Antidiskriminierungsgesetze und Gleichstellungsvorgaben verstoßen. Menschen mit Legasthenie beispielsweise sind auf leicht verständliche Inhalte angewiesen.

Leser, die Informationen buchstabenweise lesen, stehen bei langen Sätzen vor großen Herausforderungen. Auch hier hinkt Deutschland durch eine traditionell genutzte Verwaltungssprache im Hinblick auf Fachvokabular und Wortbildungen international hinterher. 

Laut den WCAG-Barrierefreiheitsrichtlinien sollten Texte auf ein Unterstufenlevel angepasst werden (ca. 12 Jahre alt).

3) Online lesen ist anders

Unabhängig von Lesekompetenzen konsumieren Menschen Texte online anders als gedruckte. Studien beweisen, dass Menschen Webseiten scannen und dabei nur etwa 18 % der Inhalte erfassen. Wer Inhalte digitalisiert, sollte etwa 50 % des Umfangs kürzen.

 

Zugleich lesen Menschen im Netz oftmals unchronologisch, also nicht vom Seitenbeginn an zum Ende, oder Wort für Wort. Vielmehr suchen sie nach einer bestimmten Information, die sie zu finden erwarten. Als Redakteur reicht es nicht aus, Texte von anderen Formaten zu kopieren. Um eine Website für alle Besucher verständlich und barrierefrei zugleich zu machen, muss bedacht werden, wie der Text formuliert ist.

Einfache Strukturen und Sätze erhöhen sowohl die Lesbarkeit als auch die User-Freundlichkeit. Zudem kann es passieren, dass längere Wörter dazu führen, dass beim visuellen Querlesen der Seiten darauffolgende Worte oder Affixe übersehen werden.

Dies hat dann einen direkten Einfluss auf die entsprechende Textinterpretation.Es ist wichtig, sich der Unterschiede bewusst zu sein, die es bei der Erstellung für Web-Content und Print-Content gibt. Auch ist es relevant, die unterschiedlichen Zielgruppen im Auge zu behalten und sich nicht in einem Fachjargon” zu verlieren.

Gerade in deutschen Behörden wird der Content oftmals nicht von gelernten (Online)-Redakteuren, sondern Sachbearbeitern erstellt, die ihre Inhalte an die Erwartungen ihrer Vorgesetzten oder Kollegen anpassen, nicht aber an die Endnutzer.

Wie kann Siteimproves Lesbarkeitsfeature Online-Redakteuren helfen, Content zu verbessern?

Das Lesbarkeitsmodul ist ab sofort Teil des umfangreichen Siteimprove Quality Assurance (QA)-Pakets. Es bietet die Auswahl zwischen sieben Lesbarkeitstests, bei denen der Website-Content überprüft und ausgewertet wird. Siteimprove nutzt hierbei ein System, bei dem Textbausteine von der gesamten Seite (Menü, Sidebar etc.) extrahiert werden, so dass nur der tatsächliche Content der Page genutzt wird.

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pasted-image-at-2016_10_06-10_30-am Ergebnisse des Lesbarkeitstests von Siteimprove lassen sich übersichtlich darstellen und analysieren[/caption]

Eine komplette Übersicht der Seiten mit einem spezifizierten Ergebnis wird dann im QA Service angezeigt. Zudem veranschaulichen Individuelle Seitenberichte die erreichten Lesbarkeitsergebnisse, inklusive der Hervorhebung von (zu) langen, mehrsilbigen Worten und Sätzen (in Abhängigkeit zu den selbstgewählten Lesbarkeitstests und –vorgaben).

Zur Unterstützung einer generellen Optimierung der Lesbarkeit der Websites werden zu lange Wörter, mehrsilbige Formulierungen und Sätze auch gekennzeichnet, wenn sie im nicht vorher, durch den Kunden, definierten und ausgewählten Bereich einer Seite liegen.

In Ergänzung zu den gesammelten Daten des QA Tools ist es auch möglich, eigene Lesbarkeit-Policy-Regeln zu erstellen, um Standards und Vorgaben für das eigene Unternehmen zu setzen. So ist es ganz einfach, ein eigenes Level zu definieren und Mitteilungen über Bereiche zu erhalten, die verbessert werden müssen.

Siteimprove Policy ermöglicht zudem, unterschiedliche Standards für einzelne Website-Bereiche zu setzen. Dies ist vor allem auch dann sinnvoll, wenn verschiedene Bereiche an unterschiedliche Zielgruppen adressiert sind (Pressesektion und „Über uns” für die Allgemeinheit und Fachtexte für B2B-Kunden).

 

Zusammenfassend bietet Siteimprove mit seinem neuen Lesbarkeitsfeature Redakteuren eine weitere Möglichkeit, den Web-Content auf vielfältige Weise (von Barrierefreiheit bis hin zu Policy und User-Experience) zu optimieren.  (aus dem Englischen von Jan Kronenberger)     

 

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