Vorgaben und Richtlinien für Hochschulen – wie wichtig Compliance und Policy sind

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By Siteimprove
Sep 05 2016 — Compliance, Bildung

Die Hochschullandschaft verändert sich rasant, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Schon heute sprechen Experten von der Universität 2.0, einem digitalen Campus für die iGeneration oder einem virtuellen, globalen Bildungsnetz.

Der Fokus rückt dabei zunehmend weg von der Präsenzhochschule und hin zum Web-Auftritt der jeweiligen Bildungseinrichtungen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei, neben Anpassungen im Bereich Service für Studierende, auf den wachsenden Vorgaben und Regulierungen, die es bei einer komplexeren Website qualitativ abzusichern und umzusetzen gilt.

Compliance-Vorgaben und interne Policy-Strategien sind für Hochschulen und deren Websites von besonderer Bedeutung. Während viele Unternehmen ihre digitalen Archive aus dem Netz nehmen, oder veraltete (und dadurch aus heutiger Sicht) fehlerhafte Informationen in Artikeln nur sporadisch anpassen, sind Hochschulen als öffentliche Einrichtungen unter besonderer Beobachtung, wenn es um Einhaltung dieser Vorgaben geht. Wir erklären an zwei Beispielen, wie Hochschulen von solchen Compliance-Richtlinien betroffen sind.

  • Gender-Vorgaben zur Gleichstellung

Seit einigen Jahren setzen Hochschulen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), umgangssprachlich auch Antidiskriminierungsgesetz, mit immer deutlicherem Fokus um. Besonders im Bereich geschlechterspezifischer Gleichstellung und Neutralisierung sorgen Gleichstellungsbeauftragte für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, um Benachteiligungen auszuschließen. Die Bemühungen zur Antidiskriminierung reichen bis zu Formulierungsrichtlinien von Texten.

Hierzu erklärt die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Ludwig-Maximilians-Universität München:

„Die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter ist für eine erfolgreiche Gleichstellung von unerlässlicher Bedeutung. Trotzdem sind in der universitären Sprache nach wie vor viele Texte im generischen Maskulinum gehalten. Frauen werden hier nicht erwähnt und bleiben dadurch im wissenschaftlichen Kontext und in der Vorstellungskraft der Lesenden unsichtbar. Deshalb genügt es nicht, Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen in Texten einfach nur "mitzumeinen". Ziel muss es sein, Frauen und Männer gleichermaßen anzusprechen und die Frauen grundsätzlich sprachlich sichtbar zu machen.“ Die Folge ist eine gendersensible, symmetrische Sprache: So wird aus „eine Veranstaltung für Studenten“ eine „Veranstaltung für Studentinnen und Studenten“ oder „eine Veranstaltung für Studierende“. Aus „Es wurden drei neue Vizepräsidenten (...) sowie Frau Dr. Müller (...) gewählt“, wird: „Es wurden, mit Frau Dr. Müller, eine neue Vizepräsidentin sowie zwei neue Vizepräsidenten (...) gewählt.“

Gerade die Umsetzung des politisch korrekten Ausdrucks „Studierende“ ,die auf viel Kritik, vor allem aus Reihen der Linguistik, stieß, ist weit vorangeschritten und reicht bis zur Umbenennung von „Studenten-“ in „Studierendenwerke“ und der Umformulierung aller E-Mail Vorlagen und Anschreiben. Auf das zukünftige Studierendenwerk der Universität Bonn kommen durch die Umbenennung rund 200.000 Euro Kosten zu. Für eine flächendeckende Veränderung aller Werke in NRW belaufen sich die Gesamtkosten auf über zwei Millionen Euro, erklärte Robert Anders, Pressesprecher des Studierendenwerkes an der Universität Bonn im Jahr 2015 gegenüber dem Kölner Express. (Quelle: http://www.express.de/22382018 ©2016). Laut Berichten des Berliner Tagespiegels kosten die geplanten Änderungen in der Hauptstadt etwa 800.000 Euro.

Für die Hochschulen, die nicht selten mehrere Website-Domains, viele Sub-Domains und fünfstellige Seitenanzahlen pflegen müssen, ist eine Umsetzung dieser Regelung auch digital mit viel Aufwand verbunden.

Dementsprechend müsste eine Anpassung aller Websites in einem hochpriorisierten Projekt erfolgen. Bei manueller Verbesserung im Sinne der Gleichstellung ist auch dies mit hohen Kosten für Personal und einem enormen Zeitaufwand (

den man ebenfalls betriebswirtschaftlich in Kosten beziffern kann) verbunden. Eine Nichteinhaltung der Gleichstellungs-Compliance-Regeln ist zudem mit dem Risiko einer Klage im Sinne des AGG der EU verbunden. Insgesamt rechnen Experten, je nach Größe der Hochschule, mit mindestens vierstelligen Investitionen für eine rechtssichere Umsetzung. Die Pflege und Qualitätssicherung ist hier jedoch nicht inkludiert, ebenfalls nicht eventuelle Strafzahlungen bei einer Klage, die sich in anderen Branchen teilweise auf sechsstellige Beträge beliefen. Für Hochschulen scheinen allerdings eher mittlere vierstellige Summen realistisch. Doch egal welche Höhe man als Maßgabe heranzieht, die Umsetzung von Gender-Richtlinien im Rahmen des AGG ist für Hochschulen, durch ihre komplexen Website-Strukturen und die Vielschichtigkeit der dort veröffentlichten Texte, Dokumente, Materialien und Informationen (in verschiedenen Sprachen), eine große und wichtige Herausforderung, die manuell kaum zu meistern ist.

  • Diversity Management

„Vielfaltsmanagement“ (engl. Diversity Management) ist Teil des Personalwesens unter dem Leitgedanken der Vielfalt und Antidiskriminierung (auch wenn es offiziell einer eigenen Unternehmenskultur und nicht der Umsetzung von Gesetzesvorgaben dient). Der Erfolg eines Unternehmens oder einer Institution, wie etwa einer Hochschule, ist auf Basis eben dieser Vielfalt optimierbar. Ziel ist es, Personalprozesse und –politik so auszurichten, dass die Belegschaft alle Chancen des demographischen Wandels nutzt, um so Ausgrenzungen und/oder soziale Ungleichheiten zu minimieren und Chancengleichheiten zu erhöhen. Heutzutage gibt es keine Hochschule, die nicht auf Basis des Diversity Managements handelt.

Von Ausschreibungen für Projekte, zu besetzende Stellen bis zur Inklusion hat dies konsequenterweise viele Folgen für eine Hochschule und deren Policy-Standards. Auch im digitalen Bereich müssen Dokumente, PDFs und Informationen zugänglich gemacht werden. Barrierefreiheit ist hier nur eines der großen Themen. Auch textlich gilt es für Online-Redakteure Anpassungen vorzunehmen, wie etwa die richtigen Ansprachen zu verwenden und Varianten oder Übersetzungen für Leser anderer Nationen oder ggf. anderer Altersschichten mit verändertem Fokus zu schaffen. Eine korrekte Umsetzung dient hier aber nicht nur der eigenen Policy, sondern hilft auch, das Risiko von lästigen, mitunter teuren und zeitaufwändigen Beschwerden, angedrohten Klagen bei Nichteinhaltung, sowie jedweder Kritik von Gleichstellungsstellen vorzubauen.

Fazit:

Neben Gender- und Diversity-Regeln gibt es eine Vielzahl weiterer Richtlinien für Hochschulen. Dies sind etwa Voraussetzungen und Fristen für Forschungsprojekte, Umbenennung von Lehrgängen, Fachseminaren, Vorlesungsreihen oder Einrichtungen.

Manuelle Umänderungen sind aufwändig, kostspielig und, unter Berücksichtigung der für die meisten Hochschulen vorherrschenden, komplexen organisatorischen Strukturen, kaum fristgerecht und gesetzeskonform zu realisieren. Siteimprove bietet im Rahmen seiner SaaS-Lösung eine eigene Policy-Anwendung, die es ermöglicht, individuelle Richtlinien aufzusetzen und/oder in der Siteimprove Policy-Bibliothek hinterlegte Vorlagen zu nutzen. Diese unterstützen zum Beispiel das automatisierte Auffinden von Binnen-I Wörtern (zur genderkonformen Rechtschreibung: DozentInnen), ALT-Texten oder das Schaffen von Hinweisen bezüglich der Dauer von Bildrechten etc. Arbeitsschritte können mit dieser Hilft automatisiert und verständlich und ohne lange Schulungen unter Redakteuren geteilt werden. Mit diesen Erleichterungen ist man den komplexer werdenden Anforderungen gewachsen und in Zeiten immer häufiger aufkommender Abmahnwellen auf der sicheren Seite.

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