Sprachsteuerung als Websuche der Zukunft – eine Hilfe für Barrierefreiheit

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By Siteimprove
Sep 26 2016 — Barrierefreiheit, SEO

Wir schreiben den Juni 2016 - die große Apple-Konferenz ist kaum vorbei und hat wie zu erwarten ein reges Medien-Echo erhalten. In Deutschland, insbesondere in der Start-Up-Szene, waren es aber weniger Ankündigungen und Produktneuheiten, die das Interesse geweckt haben. Besonders ein Deutsches Startup konnte von dem Event medial profitieren. Unter einigen anderen erhielt das Berliner Startup N26 (ehem. Number26) den Ritterschlag, Teil einer Präsentation zu Apples Sprachassistent Siri zu sein. Der Grund dafür wirkt im Zeitalter von Internet, Smartphone und Virtual Reality eigentlich fast banal: N26 bietet weltweit eine von wenigen Banking Apps an, die über Apples Sprachassistenten auch Überweisungen steuern lassen.

Was ohne Zweifel ein großartiger Erfolg für das Unternehmen ist, zeigt aber auch, dass es im Jahr 2016 zwar möglich ist via Smartphone die Temperatur in der Wohnung zu regeln, oder die Tür zu versperren, nicht jedoch Bankgeschäfte oder Verträge barrierefrei abzuschließen.

Wer hier nur einen Service für eine Nische sieht, liegt aber klar falsch. Dass die Sprachsuche seit einigen Jahren stetig bedeutender für den Markt wird, ist für die meisten Marketer wohl nicht neu. Rund 20% aller Suchanfragen in der mobilen Google App sind laut Unternehmensangaben sprachgesteuert. Über 40% aller Nutzer in den USA geben an, die Sprachsuche in den letzten 6 Monaten zumindest einmal verwendet zu haben.

Nur knapp 37% haben sich noch nie für diese Option entschieden.

Zahlen, die nur wenige Wochen vor besagter Apple-Konferenz im Juni veröffentlicht wurden. Die Sprachsteuerung ist nicht nur eine nette Hilfestellung oder nötige Anwendung für barrierefreie Nutzung, sie ist vor allem gekommen um zu bleiben.

But wait, there is more…

Sprachassistenten werden unser Suchverhalten langfristig so massiv verändern und damit das Ende einer Ära, der klassischen Suche auf Google, Bing und Co., beschleunigen. Siri, Ok Google, Cortana, oder Alexa leben von ihren Anbindungen an Apps und andere Angebote und werden dadurch auch das Nutzerverhalten weiter zu deren Gunsten beeinflussen. Denn besonders bei mobilen Usern zeigt sich schon länger ein Trend weg von der klassischen Internetnutzung.

89% - So viel von ihrer Zeit verbringen mobile User laut

Yahoo in Apps; dem gegenüber stehen gerade einmal 11% in Browsern. Allerdings sollte man mit diesen Zahlen auch vorsichtig sein, da diese 89% auch Social Media, Messaging-Dienste, Youtube, sowie Entertainment und Gameing-Apps miteinbezieht, die gesamt 66% der Zeit ausmachen. Bleiben dennoch 23% für alle, die sich nicht in diesen Kategorien wiederfinden. Wenn Sie also nicht für Facebook, Whats-App, Youtube oder Clash of Clans arbeiten, muss ich die positive Stimmung hier leider etwas dämpfen.

Auch weiterhin starten die meisten User, auch auf mobilen Endgeräten, ihre Suche im Internet zuerst bei Google. Bei über 100 Mrd. Suchanfragen, die Google monatlich bearbeitet und in Anbetracht der Tatsache, dass Mobile Desktop in vielen Ländern bereits überholt hat, ist das noch immer ein gewaltiger Markt. Ein Markt, der mit all dem, was wir bisher gelernt haben, ein gigantisches, aber dennoch bisher kaum erfasstes Potenzial bietet.

Das zweite Stichwort dazu, neben der Sprachsuche, lautet App-Indexierung. Dass Suchmaschinen das zunehmende Nutzerverhalten zu Gunsten von Apps nicht schmeckt, sollte keine Überraschung darstellen. Ebenso wenig, dass sie um jeden Preis versuchen werden, diesen Trend aufzugreifen und daraus Profit zu schlagen – daher lässt sich jede App, bei richtiger Programmierung, nicht nur in App-stores sondern auch in der Google Suche zum Download finden (im Detail etwas weiter unten). In dieser Form lassen sich beide Bereiche auch eigentlich nicht mehr getrennt betrachten und ermöglichen Unternehmen völlig neue Möglichkeiten. Denn es ist dadurch praktisch möglich, ihren kompletten Webauftritt, von der ersten Suchintention, über jeden einzelnen Kontaktpunkt nahtlos und barrierefrei zu gestalten.

Was ist also App Indexierung?

Bereits seit einiger Zeit indexiert Google nicht nur URLs von Websites sondern auch jene in Apps aus dem Google Play-Store. Das bedeutet, dass zu Suchanfragen bei Google nicht nur Links zu Websites als Ergebnisse erscheinen, sondern auch Deep-Links zu Apps. Seit Googles Mobile-Update im April 2015 hat das Thema deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen und sollte auf der Checkliste aller Website-Betreiber mit eigener App stehen. Seit Mai 2015 zeigt Google indexierte Inhalte aus Apps außerdem auch im Betriebssystem iOS an.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Erscheint meine App in Googles Suchergebnissen, wird sich das positiv auf meine Downloads auswirken, wenn die Nutzer sie noch nicht installiert haben. Nutzer, die meine App bereits heruntergeladen haben, werden direkt in diese verwiesen und ich profitiere von der verstärkten Nutzung installierter Apps.

Wie kann ich meine App indexieren lassen?

Die technischen Details sollten Ihre App-Developer kennen. Google selbst gibt 4 Schritte an:

  1. Fügen Sie die Deep-Links zu Ihrer App hinzu
  2. Bestätigen Sie die offizielle Website der App in der Google Play Console
  3. Geben Sie die Deep-Links der einzelnen Websites an
  4. Überprüfen Sie die Search Console (ehem. Webmaster Tools) auf Fehler

Im Endeffekt lässt sich über die App Indexing API, bei richtiger Aufsetzung, jeder Deep-Link einer App, mit oder ohne Website, indexieren. Außerdem lässt sich zu jedem bestehenden Deep-Link einer Website eine alternative App-URL angeben, die dem Nutzer letztendlich die Wahl offen lässt.

 

Nun schließt sich der Kreis…Fassen wir noch einmal kurz zusammen. Die Sprachsteuerung und barrierefreie Nutzungsmöglichkeit rücken zunehmend in den Mittelpunkt des Nutzerverhaltens und verlagern den Fokus der Nutzer zusätzlich in Richtung Apps und weg vom klassischen Suchverhalten. Verstärkt wird das noch dadurch, dass Google Apps und Inhalte aus Apps direkt von seinen Suchergebnissen ansteuern lässt. Vorausgesetzt Sie haben Ihre Hausaufgaben gemacht und Ihr Webauftritt ist barrierefrei, können Sie jetzt schon einmal den Champagner kühlen, denn der Weg ist frei für eine im Prinzip nahtlose Nutzererfahrung.

Der User der Zukunft wird nämlich keinen Log-In mehr brauchen oder zwischen Seiten und Apps springen müssen. Stelle Sie sich vor, Sie möchten Schuhe einkaufen, Essen bestellen, einen Tisch oder einen Flug buchen. Alles, was Sie tun, ist Ihrem Sprachassistenten Ihre Anfrage zu nennen, dieser präsentiert Ihnen die Google Ergebnisse, von denen Sie eine direkt in eine App auf Ihrem Handy führt, kein Log-In erforderlich, all Ihre Daten sind bereits eingegeben, alles, was sie noch tun müssen, ist Ihrem System den Auftrag zu bestätigen. Stellen Sie sich vor: auf demselben Weg könnten Sie Geld überweisen, Unterlagen einreichen, Veranstaltungen und Vorlesungen koordinieren und vieles mehr. Klingt großartig, ist es auch – für barrierefreies Nutzen und für die Zukunft des Webs.

 

Über den Autor

Nach seinem Studium an der FH Wien (Marketing (interkulturelles Marketing) - PR - Werbung – CI) arbeitete der SEO Experte Marco Endrich zunächst für die Berliner Unternehmen Zalando und trustagents, ehe er zum Reservierungsdienstleister Quandoo wechselte. Dort ist er heute als "Online Marketing Manager – Cooperations & SEO" tätig.

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