Einigung über einheitliche EU Regelungen für barrierefreie Internetseiten

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By Siteimprove
Mai 29 2015 — Barrierefreiheit, Compliance

In der Bundesrepublik Deutschland leben knapp 80 Millionen Menschen. Stellen Sie sich vor, keiner von ihnen könnte eine gewöhnliche Internetseite ohne Schwierigkeiten besuchen. Diese Dimension ist schwer vorstellbar, entspricht aber dennoch der Realität. Knapp 80 Millionen Menschen weltweit sind von einer Behinderung betroffen, die eine barrierefreie Nutzung des Internets unmöglich macht.

Genau für diese Menschen konnte jedoch nun ein Durchbruch erzielt werden: Anfang Mai konnten sich die Verhandlungsführer der EU- Kommission, des Rates und des EU-Parlaments auf eine länderübergreifende Umsetzung von Standards für barrierefreie Websites und Apps für den öffentlichen Sektor einigen. Die obligatorische, formale Zustimmung des gesamten Rates und Parlaments ist bindend, sodass die Mitgliedsstaaten nach Beschluss die neuen Regelungen binnen 21 Monaten umsetzen müssen. Nach Jahren der Uneinigkeit konnte daher nun ein wichtiger Erfolg für bindende Regeln in Bezug auf barrierefreie Websites erzielt werden.

Barrierefreie Websites – der lange Weg ans Ziel?

 „Mit einem gemeinsamen Ansatz zur Sicherstellung des barrierefreien Web-Zugangs wird ein Beitrag zu einer inklusiven digitalen Gesellschaft sowie zur Ausschöpfung der Vorteile des Digitalen Binnenmarktes für alle Bürgerinnen und Bürger Europas geleistet“, kommentiert die Pressestelle der EU-Kommission die erzielte Einigung.

Der Beschluss hat direkte Auswirkungen auf die Richtlinien von Websites und Apps von öffentlichen Stellen und des öffentlichen Sektors. Dies betrifft zum Beispiel:

  • Verwaltungen
  • Gerichte
  • Polizeistellen
  • Universitäten
  • Krankenhäuser
  • Bibliotheken

Seiten dieser Einrichtungen müssen dann gänzlich allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich barrierefrei gemacht werden, insbesondere Blinden, Gehörlosen, Schwerhörigen und Menschen mit geringer Sehkraft sowie Menschen mit anderen Behinderungen.

 Sorgenkind Deutschland: Die Bundesrepublik hinkt beim Ausbau barrierefreier Angebote im Web hinterher

Der erste Vorschlag für barrierefreie Richtlinien für Websites öffentlicher Stellen, Behörden und Einrichtungen lag schon im Jahr 2012 vor. Zu diesem Zeitpunkt gab es einen ersten europäischen Vorschlag, der jedoch nicht bindend war. Seit Januar diesen Jahres haben einige Staaten, wie zum Beispiel Österreich, diese Richtlinien nun bindend festgelegt. Obwohl eine barrierefreie Optimierung von Websites durch das „Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ verpflichtend geregelt ist, hinkt Deutschland hier jedoch immer noch hinterher und sieht diese Regeln für einen barrierefreien Internetzugang eher als Anregung und nicht als Pflicht.

Auch wenn Deutschland immer noch Aufholbedarf in Bezug auf Barrierefreiheit im Web hat, wird international bereits einiges für behinderte Menschen getan. So wurde auf Basis des Übereinkommens der Vereinten Nationen

eine Europäische Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen für den Zeitraum von 2010 bis2020 festgelegt. Neben Schwerpunkt-Maßnahmen für alle gesellschaftlichen Bereiche der Öffentlichkeit wurden auch barrierefreie Ziele für das Netz formuliert, die durch die „ Gewährleistung des barrierefreien Zugangs zu Waren, Dienstleistungen – auch öffentlichen Dienstleistungen – und Hilfsmitteln für Menschen mit Behinderungen“ bestehen.

 unbenanntDas Verständnis für ein barrierefreies Web wächst langsam

 Die EU-Kommission ist bemüht das Thema Barrierefreiheit stärker in das Bewusstsein seiner Bürgerinnen und Bürger zu rücken.

International sollen die europaweiten Standards und Vorgaben durch die neue Einigung nun für den öffentlichen Dienstleistungssektor bindend festgelegt werden und die Fördergelder für Sensibilisierungsmaßnahmen sowie Fortbildungen steigen. Auch Thementage wie der Global Accessibility Awareness Day, der am 19. Mai 2016 stattgefunden hat, sollen das Thema Barrierefreiheit stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und Menschen mit Behinderungen das tägliche Leben erleichtern. Interessenverbände, Accessibility-Consultants oder SaaS-Dienstleister wie Siteimprove sind zudem heute stärker verzahnt denn je und unterstützen Unternehmen und Organisationen bei der Umsetzung der Barrierefreiheitsstandards für ihre Websites. Die getroffene EU-Übereinkunft ist auf dem Weg zu einem barrierefreien Webzugang für jedermann ein wichtiger Schritt. Im Kontext mit den Ende 2015 verfassten europäischem Rechtsakt zur Barrierefreiheitsowie den globalen Vorgaben bildet dies nun eine weitreichende, bindende Rechtsgrundlage und eine umfassende Einheit zur Umsetzung.

 

 Es liegt nun in der Hand der EU sowie den entsprechenden Ministerien der Mitgliedsstaaten die Einigung zügig umzusetzen und vor allem auf lokaler, kommunaler Ebene genug Ressourcen für Weiterbildungen der Online Redakteure zur Verfügung zu stellen, damit barrierefreie Inhalte tatsächlich im Alltag von Behörden, Verwaltung und anderer öffentlicher Einrichtungen ankommen.

 

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