Compliance Richtlinien im Web – Teil 4: Investor Relations

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By Siteimprove
Aug 12 2016 — Compliance

Compliance Richtlinien im Web – Teil 4: Investor Relations chart-1296049_1280Compliance-Richtlinien reichen in viele Tätigkeitsfelder von Unternehmen hinein. In Bezug auf die Website sind dies zum Beispiel Cookie-Regelungen, Impressumsvorschriften, Bildrechte oder Investor Relations.

Investor Relations (IR) oder auch Finanzkommunikation bildet einen Teilbereich der ganzheitlichen Unternehmenskommunikation. Bei Aktien- und Kapitalgesellschaften ist das IR-Team im Allgemeinen für die Kontaktpflege mit Aktionären, Investoren, Analysten, Partnern oder Finanzmedien (Financial Community) zuständig. Finanzkommunikation muss zielgruppenoptimiert umgesetzt und bereitgestellt werden.

Dies ist z.B. durch unterschiedliche Ansprache-Level, Vorwissen und Erwartungen und/oder gewünschtem Nutzen der Informationen für die jeweiligen Ansprechpartner bedingt.

Ziel von Investor Relations ist es, der Financial Community sämtliche Informationen bereitzustellen, die helfen, Unternehmensentwicklung sowie aktuellen Unternehmenswert effektiv einzuschätzen. Hierzu gehören Factbooks, Unternehmens- und Finanzberichte (auf der Website sowie als PDF Download), Präsentationen, IR-Websites sowie Aktionärsversammlungen.

Investor Relations sind Teil der vertrauenssteigernden Maßnahmen zur Absicherung der Bewertung des eigenen Konzerns an der Börse. Unsicherheiten und/oder fehlerhafte oder zögerliche Kommunikation sind häufig Ursache für spezifische, ungewollte Aktienentwicklungen. Dies gilt sowohl für negative, als auch für zu optimistische Aussagen.

Das Entwickeln oder Folgen von „Best Practices“ in den Bereichen Transparenz und faire Information aller Marktteilnehmer sowie der Financial Community ist ein wichtiger Bestandteil der Finanzkommunikation. Neben o.g. Aspekten können auch Messen, Roadshows oder das Verfassen von Fachtexten dieses Ziel effektiv unterstützen. Zur „effizienten Finanzkommunikation“ gehören laut Deutscher Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) folgende Grundkriterien:

  • Erwartungsmanagement
  • Gleichbehandlung
  • Kapitalmarktorientierung
  • Aktualität und Kontinuität
  • Nachvollziehbarkeit

Neben den informativen, aufbereiteten „Best Practices“, ist die zweite Säule der Investor Relations die verpflichtende „Ad-hoc Publizität “für Emittenten, geregelt nach Wertpapierhandelsgesetz (WpHG). Durch die EG-Verordnung 1287/2006 (K1 Artikel 2) ist ein Emittent eine Person, die übertragbare Wertpapiere und ggf. andere Finanzinstrumente ausgibt. Emittenten (Finanzinstitutionen) sind in der Wirtschaftspraxis Herausgeber von Aktien/Wertpapieren, Industrie-, Handels- oder Verkehrsunternehmen, Kreditinstitute, Versicherungen, Gebietskörperschaften bis hin zum Staat.

Ad-hoc-Meldungen (oft auch Pflicht- oder Börsenmitteilungen genannt) sind durch Gesetze reglementiert und gelten sowohl für börsennotierte Unternehmen des organisierten Marktes im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (§ 2 Abs. 5 WpHG) als auch für Unternehmen im „Open Market“ (Freiverkehr). Das gesetzte Ziel ist, alle Aktionäre sowie die für die Financial Community relevanten Institutionen unverzüglich (§ 15 WpHG: ohne schuldhaftes Zögern“) zu informieren, um z.B. laut Art. 17 EU-Marktmissbrauchsverordnung, das Entstehen von Insiderinformationen zu verhindern, bzw. den Börsenkurs nicht bewusst zu beeinflussen (etwas durch Zurückhaltung von Informationen). Die tatsächliche Marktposition des Unternehmens soll auf Basis nachweisbarer Tatsachen dargestellt werden.

Neben dem WpHG regeln auch andere Gesetzestexte Herausgabe- und Veröffentlichungspflichten für Unternehmen. So hat der zum Börsenhandel zugelassene Emittent gemäß Börsengesetz (BörsG) nach §§ 44, 44a, 44b und 44c bestimmte Pflichten zu erfüllen. Vor allem:

  • Benennung von Zahl- und Hinterlegungsstelle am Börsenplatz
  • Offenlegungspflicht neuer Tatsachen, die bei Aktien zu einer Kursänderung und bei Schuldverschreibungen zu Beeinträchtigungen im Kapitaldienst führen können (entspricht weitestgehend WpHG)
  • Erstellung regelmäßiger Berichte sowie Zwischenberichte des laufenden Geschäftsjahres

Auch das Handelsgesetzbuch (HGB) ab § 242 (Pflicht zur Aufstellung) Einhaltungs- und Veröffentlichungsverpflichtungen und nennt mögliche Strafen. Diese können je nach Art des Vergehens empfindlich hoch sein.

 

Investor Relations Pflichten vernachlässigt? Strafen drohen

 Fehlerhafte Informationen, Markenrechtsverletzungen oder Nichteinhaltung von Inverstor Relations Verpflichtungen führen, je nach Ausmaß, potentiell zu hohen Strafen. So regelt zum Beispiel das WpHG in § 37b den Umgang mit Verstößen gegen die Publizitätspflicht von Emittenten. Je nach Schwere (kaufen beispielsweise Investoren, Anleger auf Basis fehlerhafter Informationen Wertpapiere) können Strafen bis zu dreistelligen Millionenbeträgen, in über 40 % der Fälle allerdings eher im fünf- bis siebenstelligen Bereich verhängt werden.

Das Handelsgesetzbuch (HGB) regelt u.a. in Paragraph 335 Strafgebühren bzw. Freiheitsentzug für rechtswidriges Marktverhalten von Kapitalmarktgesellschaften.

In der Automobilbranche beispielsweise überprüft das Kraftfahrtbundesamt sämtliche Angaben der Fahrzeughersteller. Auch Abmahnkanzleien haben sich auf Markt- und Markenrechtsverletzungen sowie das Veröffentlichen fehlerhafter oder das Anzeigen fehlender Produktinformationen spezialisiert. Im Durchschnitt liegen die Strafbeträge im fünfstelligen Bereich. Allerdings spannt sich das Strafmaß hier von einigen hundert Euro bei kleineren Verletzungen bis hin zum einstelligen Millionenbereich auf.

Investor Relations richtig gemacht...Ein Fazit:

Compliance-Richtlinien im Investor Relations-Bereich werden immer bedeutender und durch die mediale Vielfalt immer komplexer. Laut einer im Juli 2014 von PricewaterhouseCoopers herausgegebenen Studie zu „Wirtschaftskriminalität und Compliance in der Automobilbranche“* beschäftigen sich aktuell ca. 80 % der Unternehmen mit Compliance-Richtlinien und Investor Relations-Themen. Unter den Mitarbeitern dieser Firmen sind die bestehenden Regeln allerdings lediglich 36 Prozent bekannt und werden nur von diesem – im Verhältnis zu den potentiellen Kostenrisiken - geringen Prozentsatz beachtet.

Speziell für Online-Redaktionen birgt diese Situation ein großes Gefahrenpotential in Bezug auf die digitalen Inhalte. Web-Governance Lösungen, wie von z.B. die von Siteimprove, helfen, schnell und einfach Richtlinien aufzusetzen und konstant rechtssicher zu managen.

 

 

 

 

 

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