Barrierefreiheit als Policy-Richtlinie für Unternehmen und Behörden

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By Siteimprove
Okt 21 2016 — Barrierefreiheit, Compliance

Die EU Kommission hat entschieden, Barrierefreiheit immer mehr in den Fokus gesetzlicher Regelungen zu rücken. Vor allem für den öffentlichen Sektor ergeben sich hieraus viele neue Verpflichtungen. Aber wie reagiert die private Wirtschaft auf den neuen Druck aus Brüssel? In vielen Ländern, wie z.B. den USA, gehören barrierefreie Internetauftritte schon heute zum einklagbaren Recht. Folglich sollten sich auch international agierende Firmen bewusst sein: Barrierefreiheit kann nicht mehr als „nice-to-have“ abgetan werden, sondern muss Teil der Unternehmens-Policy werden. Im Folgenden, geben wir eine Bestandsaufnahme über aktuelle Entwicklungen im Hinblick auf Barrierefreiheit im Web.Es wurde als großer, europäischer Durchbruch in der Debatte über Gleichstellung und Barrierefreiheit im Web gefeiert. Im Mai einigten sich die Verhandlungsführer der EU-Kommission, des Rates und des EU-Parlaments auf eine länderübergreifende Umsetzung von barrierefreien Standards im Web für den öffentlichen Sektor. Nach Jahren der Uneinigkeit konnte somit ein wichtiger Erfolg für bindende Regeln in Bezug auf barrierefreie Websites erzielt werden. Durch die neue Vereinbarung sind die EU-Staaten in der Pflicht, die geforderten Beschlüsse innerhalb von 21 Monaten umzusetzen. Einige Mitgliedsstaaten reagierten auf diese Einigung schon im Vorfeld. So müssen in Österreich öffentliche Internetauftritte seit Januar 2016 barrierefrei umgesetzt werden. In Deutschland geben sich Behörden und Politik zögerlicher dem Thema hin. Doch auch dort (wie in der gesamten EU) müssen spätestens Ende 2017 alle Websites von Kommunen, Behörden und Co. barrierefrei sein. Wenn nicht, verstoßen sie gegen die Barrierefreiheits- sowie Gleichstellungsgesetze und sind abmahnbar. Jede öffentliche Einrichtung sollte sich also schon aktuell Gedanken machen, wie sie Websiteinhalte barrierefrei und richtlinienkonform umsetzt.

Folgen für private Unternehmen

Aber was ist mit der Privatwirtschaft? Im Allgemeinen sind Konzerne, betreffend der Umsetzung von Vorgaben, die nicht direkten Einfluss auf den Umsatz haben, träger. Und faktisch sind sie nach wie vor nicht von den neuen EU-Regeln betroffen. Für sie gilt jedoch das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (§ 11 BGG) aus dem Jahr 2002. Es sieht nicht nur vor, dass Träger öffentlicher Gewalt ihre Internetauftritte und –angebote so zu gestalten haben, dass sie von behinderten Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können. In Absatz 2 wird die Bundesregierung verpflichtet darauf hinzuwirken, dass auch gewerbliche, private Anbieter von Internetseiten durch Zielvereinbarungen ihre Produkte entsprechend den technischen Standards der Barrierefreiheit gestalten. § 5 BGG sieht hierzu vor, dass Unternehmen nicht zur Umsetzung von behindertengerechten Internetseiten verpflichtet werden sollen. Allerdings bestimmt diese Vorschrift, dass zwischen Behindertenverbänden und Unternehmen bzw. Unternehmensverbänden sog. Zielvereinbarungen geschlossen werden sollen, in dem sich die Unternehmen zur Umsetzung der jeweiligen Verbandsrichtlinien verpflichten.

In Kombination mit der neuen EU Gesetzgebung kann man nun davon ausgehen, dass vor allem für Unternehmen, die im B2C-Markt tätig sind und täglichen Kontakt zum Endverbraucher haben, der Druck in der Öffentlichkeit steigt. Onlineshops sind hier ein gutes Beispiel. Große E-Commerce Agenturen haben das Thema Barrierefreiheit verstärkt auf ihren Agenden. Aber auch Mobilfunk, Automotive, Tourismus und Luftfahrt haben die Zeichen der Zeit erkannt.Dies liegt auch daran, dass internationale Betriebe verstärkt auf Barrierefreiheit geprüft werden. Wer also global tätig ist, sollte seine Website barrierefrei umsetzen. Und nicht nur in den USA mahnen Kanzleien Unternehmen mit fehlender Zugänglichkeit ab. Auch in der Schweiz werden Websites aktuell verstärkt abgemahnt, wenn sie gegen Gleichstellung und Barrierefreiheit verstoßen. Die Summen liegen dabei mindestens im vierstelligen Bereich, werden aber in den kommenden Monaten rasant ansteigen. Abmahnvolumen von 50.000 Euro und mehr sollten dann in Europa eher Regel als Ausnahme sein.

Schlussfolgerungen für Unternehmen auf dem Weg zur barrierefreien Website

Als Konsequenz müssen Unternehmen schnell Lösungen finden, Barrierefreiheit in ihren Web-Redaktionsplan einzubauen. Der Schlüssel liegt darin, die verpflichtenden To-Do’s in die Policy- und Compliance-Richtlinien der Unternehmensstrategie zu integrieren. Klare Umsetzungs- und Zielvorgaben sind hier das Gebot der Stunde. Eine Seite komplett barrierefrei zu gestalten, ist dabei ein Prozess, der sich über die verschiedenen internationalen Standards hinweg entwickeln muss. Abhängig von der Branche kann es unterschiedliche Vorgaben zur Barrierefreiheit geben, die erfüllt werden müssen. Glücklicherweise hat das Konsortium des World Wide Web (W3C) eine umfassende Liste erstellt - die WCAG 2.0. Richtlinien. Diese Liste ist die Grundlage für die meisten Richtlinien, auf denen die aktuellen Standards basieren und sollte entsprechend Ihrer Policy-Strategie zu Grunde liegen.

Wer Barrierefreiheit als Website-Ziel definiert, wird davon im alltäglichen Geschäft viele Vorteile haben:

 

Image: Mit einem barrierefreien Internetauftritt machen Sie deutlich, dass Sie keine Zielgruppe vom Zugang zu Ihren Angeboten ausgrenzen möchten.

 

Reichweite: Barrierefreie Websites können auch auf älteren Browsern, Plattformen oder Betriebssystemen korrekt dargestellt werden und laufen auch auf weniger verbreiteten Plattformen. Die Seiten sind auch auf mobilen Endgeräten wie z.B. PDA’s oder Handys sowie künftig auf UMTS-Geräten nutzbar. In vielen Firmennetzwerken sind an den Rechnern standardmäßig Plugins wie Java deaktiviert. Barrierefreie Internetseiten funktionieren auch, wenn einzelne Features fehlen oder abgeschaltet sind.

 

Verständnis: Barrierefreiheit richtig umgesetzt heißt auch auf einen besser lesbaren Content zu achten. Allein in Deutschland können über 7 Millionen Menschen nicht richtig lesen oder schreiben. Durchschnittlich ist einer von fünf Menschen von einer Art Behinderung betroffen. Dies sind zu große Gruppen, um sie auszuschließen.

 

SEO: Wenn Ihr Web-Auftritt barrierefrei gestaltet ist, ist er auch für die Crawler und Robots von Suchmaschinen leichter zu identifizieren und zu interpretieren. Somit kann zusätzlicher Nutzen generiert werden, da Sie mit einem barrierefreien Auftritt automatisch bessere Suchmaschinen-Ergebnisse erzielen als mit einem nicht-barrierefreien Alias.

 

Programmierungsverbesserungen: Sobald Sie eine saubere, zugängliche Codebasis entwickelt haben, werden Sie von den vielen Vorteilen überrascht sein. Effiziente Codes können Ihnen helfen, folgende Punkte zu verbessern:

  • Website-Wartung
• Geräteübergreifende Nutzbarkeit • Ladegeschwindigkeiten Ihrer Seite • Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Einige der wichtigsten Codiermethoden sind ziemlich einfach in Ihren verschiedenen Codierumgebungen zu kontrollieren:

  • Semantik • Seitentitel • Überschriften
• Grafiken
• Verlinkungen
• Tabellen und Formulare

Diese Elemente anzupassen stellt einen riesigen Beitrag zur Barrierefreiheit Ihrer gesamten Website dar und bietet eine solide Basis, auf der Sie in Zukunft aufbauen können.

FAZIT:

Mit einem barrierefreien Internet-Auftritt können Sie die Reichweite und die Anzahl der Empfänger um ein Vielfaches erhöhen. Wer schon beim Relaunch beginnt, barrierefreie Standards mit in den Onlinemarketingplan zu integrieren, wird schneller sichtbare Verbesserungen erzielen, da Folgefehler und komplexe Behebungen eine Seltenheit werden. Optimierungen im Alltag sind hingegen komplexer. Hier empfiehlt sich die Nutzung angepasster SaaS-Lösungen, wie der von Siteimprove. Neben weichen Faktoren wie Imagebildung werden Firmen vor allem im Hinblick auf Suchmaschinenoptimierung und rechtliche Rahmenvorgaben von einer zügigen Umsetzung in puncto Barrierefreiheit profitieren. Policy- und Compliance-Richtlinien, für interne Sprachregelungen bis hin zu Kommunikationsvorgaben oder Fotorechten gehören mittlerweile zum ökonomischen Alltag. Aber auch barrierefreie Umsetzungspläne lassen sich in diesem Zusammenhang planen. Dies bringt schon einmal höherer Umsätze durch Rankings oder Erreichbarkeit. Spätestens aber, wenn künftige, kostenintensive Abmahnwellen an der eigenen Firma „vorbeirollen“, eine lohnende Investition für eine moderne Website.

Mehr Informationen zum Thema Barrierefreiheit finden Sie in unserem neuen E-BOOK:

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